Interview mit einigen Stipendiaten
Bodil U. über ihr Stipendium:
Warum hast Du Dich seinerzeit beworben und wofür?
Ich habe Restaurierung mit der Spezialisierung auf Holzobjekte und Möbel studiert. Dabei werden Möbel geröntgt, wenn anders die Konstruktion nicht zu erkennen ist. Für das Röntgen braucht man einen Röntgenschein, den die Fachhochschule nicht jedem Studenten finanzieren kann, weil es schon sehr speziell ist. Daher habe ich mich bei Absolventa beworben.
Wie hast Du darauf reagiert, das Stipendium erhalten zu haben?
Ich war ganz schön erleichtert. Das hat eine große Lücke in meiner Geldbörse gestopft, die ich durch den Röntgenschein hatte. Und es war einfach ein gutes Gefühl, dass so viele Leute meine Bitte als sinnvoll erachtet haben, so dass sie mich unterstützt haben.
Was hat Dir der Studiengang/das Stipendium ermöglicht für Dein Leben?
Wenn ich mich nun an irgendwelchen Institutionen oder Museen als Restauratorin bewerbe, kann ich als Vorteil angeben, dass ich selbständig röntgen kann und somit ein großer Gewinn für die Abteilung bin, die nicht extra immer den Röntgenbeauftragten holen muss. Damit steche ich ein bisschen heraus. Ausserdem macht röntgen viel Spaß. Jedes Mal wenn man eine neue Aufnahme sieht, kommt dieser "Aha"-Effekt - so sieht das also aus...
Was hast Du an Ungewöhnlichem/Lustigen erlebt während Deines durch das Stipendium geförderten Studiums?
Leider noch gar nicht so ungewöhnlich, aber als ich zum Test für den Röntgenschein angetreten bin, war ich die einzige weibliche Bewerberin.
Hast Du eine Empfehlung für jetzige Interessierte/Bewerber des Stipendiates durch Absolventa?
Unbedingt am Ball bleiben. So viele Wähler wie möglich einzeln ansprechen. Und gleich bitten, nicht nur abzustimmen, sondern auch gleich weitere Freunde anzuheizen. Auf Facebook die Wähleranweisung auf englisch übersetzen. Genau erklären, dass der Wähler fünf Sterne anklicken soll. Früh anfangen, bevor Bekannte schon von anderen Bewerben gefragt wurden und deren Stimme weg ist. Ich musste sehr häufig mein Anliegen noch mal erklären - zu viel Text will keiner lesen, daher ist es besser wirklich einen konkreten Wunsch zu haben.
Hier kannst du dir die damalige Bewerbung von Bodil ansehen.
Anna K. über ihr Stipendium:
Ich bin durch Zufall auf das Stipendienprogramm gestoßen, da ich bloß mal für eine Freundin abgestimmt habe. Damals konnte ich mir kaum vorstellen, dass dieser Zufall ein paar Monate später mein Leben gravierend verändern sollte.
Im Oktober 2009 habe ich mich für das Aufbaustudium in Osteuropa entschieden. Das fehlende Angebot an entsprechenden Studiengängen in meinem Heimatland hat mich trotz fehlender Finanzierung nach Deutschland geführt. Dank des Nebenjobs konnte ich mich über Wasser halten, aber mit dem weiterhin zu zahlenden Semesterbeitrag musste ich stark sparen. So konnte ich ohne zusätzliche Förderung kaum über die Runden kommen.
Schaut man sich die unendlich lange Liste der Stiftungen an, die Stipendien vergeben, schein eine Zusage durchaus möglich. Bei der näheren Betrachtung der Voraussetzungen wird diese Liste unglaublich kurz. Ob Alter, Staatsangehörigkeit, mangelndes politisches Engagement oder fehlende Erfahrungen – ich passte zu kaum einem der Förderprogramme.
Voller Wut und Selbstmitleid habe ich damals unzählige Bewerbungen verschickt, in der Hoffnung, eine Förderung für mein Masterstudium zu bekommen. Nach sechs Monaten erfolgloser Suche habe ich nach dem letzten Strohhalm gegriffen, mit dem Plan wieder nach Hause zu fahren im Falle der Absage. Mit einer Bildgeschichte, die ich innerhalb von drei Wochen erstellt habe, habe ich mich voller Hoffnung für das ABSOLVENTA-Stipendium beworben. An dieser Stelle muss ich mich beim Absolventa-Verein dafür bedanken, dass ich dank dieser Bewerbung jetzt genau weiß, wie viel ich den Menschen aus meiner Umgebung bedeute. Die grenzenlose Unterstützung bei der Abstimmung hat mir ein wahnsinnig gutes Gefühl vermittelt, dass ich trotz endloser Schwierigkeiten immer wieder alle Hindernisse bewältigen kann. Viele standen hinter mir und haben meine Geschichte miterlebt. Nach mehreren Wochen (einer gefühlten Ewigkeit) kam genau an meinem Geburtstag eine E-Mail: „Hallo Anna, der ABSOLVENTA e.V. sagt HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH – Du gehörst zu den Gewinnern des Demokratischen Stipendiums 2010!“
Durch dieses Stipendium habe ich die Studiengebühren in Regensburg finanziert. Jeder der schon einmal im Ausland studiert hat und selbst dafür aufkommen musste, kennt das ewige Sparen. Von dieser Last hat mich das Stipendium befreit. Ich konnte weniger arbeiten und mich voll auf mein Studium konzentrieren und mir vor allem Studienreisen leisten. Dadurch konnte ich Südosteuropa entdecken. Diese Region hat mich unerwartet beeindruckt, sodass ich meinen Studienschwerpunkt auf die Geschichte Südosteuropas gelegt habe und derzeit fleißig Serbisch und Bulgarisch lerne.
Die Bewerbung für das ABSOLVENTA-Stipendium empfehle ich auf jeden Fall weiter, der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Ohne große Hürden kann man seine Stärken betonen, ungeniert seine Schwächen anerkennen und sich einem großen Publikum vorstellen. Das Stipendium bietet jedem die hervorragende Chance, verborgene Talente zu entdecken und Kreativität und Eigeninitiative zu fördern.
Ich wünsche den Kandidaten in diesem Jahr viel Freude bei der Erstellung ihrer Präsentationen und ganz viel Erfolg bei der Abstimmung.
Hier kannst du dir die damalige Bewerbung von Anna anschauen.
Hier geht's zurück zur Übersicht über das ABSOLVENTA-Stipendium